Zischlaute Ghostwriterin aus Leidenschaft
Ghostwriter, Marketing

Zum Tag des Zimtsterns – die Macht der Zischlaute in der Poesie

Der 11. Dezember ist der Tag des Zimtsterns. Unnützes Wissen, ich weiß. Doch ein guter Grund, sich mit dem Thema der Zischlaute in der Poesie näher zu beschäftigen.

Zischlaute Ghostwriterin aus Leidenschaft

Was sind Zischlaute?

Zischlaute sind in der Phonetik Laute, die mit einem hörbaren Pfeifen oder Zischen einhergehen. Die sogenannten Reibelaute (Frikative) werden unterschieden in:

  • ​[⁠s⁠]​ Stimmloser alveolarer Frikativ (wie in Haus)
  • ​[⁠z⁠]​ Stimmhafter alveolarer Frikativ (wie in Suse)
  • ​[⁠ʃ⁠]​ Stimmloser postalveolarer Frikativ (wie in Schule)
  • ​[⁠ʒ⁠]​ Stimmhafter postalveolarer Frikativ (wie in Garage)
  • ​[⁠ç⁠]​ Stimmloser palataler Frikativ (wie in ich)

Oder in Affrikate. Diese entstehen durch die Kombination eines Plosivs mit einem homorganen Frikativ. Etwa wie:

  • ​[⁠ts⁠]​ (wie in Katze)
  • ​[⁠tʃ⁠]​ (wie in Matsch)
  • ​[⁠dʒ⁠]​ (wie in Dschungel)

Der Effekt der Zischlaute in der Poesie ist nicht zu unterschätzen. Richtig eingesetzt könnt ihr damit gezielt die Fantasie der Leser:innen ansprechen und die Bedeutung Eurer Worte und Aussagen verstärken. So könnten viele Zischlaute in einem Gedicht über eine Schlange beispielsweise das Zischen der Schlange nachahmen und ihre schlängelnden Bewegungen vor den geistigen Augen der Leser:innen hervorrufen:

Die schuppige Schlange schlängelte sich durch das nasse Gras.

Generell ist die Wirkung der Zischlaute aber komplexer, wenn sie in Gedichten verwendet werden.

Wirkung der Zischlaute

Zischlaute können auf unterschiedliche Art und Weise wirken:

Auswirkungen von ZischlautenErläuterung der Auswirkungen
Aufrechterhaltung/ Etablierung eines Rhythmus Ein und derselbe Ton, der in schneller Folge verwendet wird, verleiht dem Text einen musikalisch-rhythmischen Effekt.
Glättung des TextflussesAlle Wörter mit Zischlaut klingen ähnlich, was die Übergänge zwischen den Wörtern verbessert.
Die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Teil des Gedichts lenkenEin bestimmter Abschnitt des Gedichts kann durch die Wiederholung des gleichen Zischlauts verstärkt werden.
Eine versteckte Bedeutung oder Botschaft im Text übermittelnWird durch die Zischlaute die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Abschnitt des Gedichts gelenkt, können die Leser:innen die Bedeutung des Textes besser erkennen.

Insgesamt verleiht der Zischlaut der Sprache ein Gefühl von Geschmeidigkeit, aber auch von Spannung, Unbehagen oder Aufregung, je nachdem, wie er verwendet wird.

Beispiel für ein Gedicht mit Zischlauten: „Das ästhetische Wiesel“ von Christian Morgenstern (1899)

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.

Wisst ihr
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:

Das raffinier-
te Tier
tat’s um des Reimes willen.

Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst – Christian Morgenstern (1898 oder 1899)

Soll i aus meim Hause raus?
Soll i aus meim Hause nit raus?
Einen Schritt raus?
Lieber nit raus?
Hausenitraus –
Hauseraus
Hauseritraus
Hausenaus
Rauserauserauserause …

Zischlaute – die wichtigsten Erkenntnisse

  • Zischlaute heißen auch Sibilance. Dieser Begriff beschreibt den Effekt, der durch die wiederholte Verwendung des „s“-Lautes in schneller Folge entsteht.
  • Zischlaute treten auf, wenn der Konsonant „s“ betont wird, beispielsweise bei „sch“, „z“ und „s“.
  • Zischlaute sind eine Technik, die Autoren bewusst einsetzen, um ihre Texte zu bereichern und sie poetischer klingen zu lassen.
  • Zischeln, tuscheln oder wispern sind Beispiele für zischende Wörter.
  • Die Zischlaute können einen Rhythmus erzeugen, den Textfluss glätten, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Inhalte lenken, eine verdeckte Bedeutung übermitteln.

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