Gary Bencivenga formulierte es in seiner zweiten Regel unmissverständlich: „Apply the 80/20 Rule.“ Gemeint ist damit das Pareto Prinzip (80/20 Regel). Es besagt: In fast allen Bereichen des Lebens ist ein kleiner Teil der Ursachen für den größten Teil der Wirkung verantwortlich.
- 20 % der Verkäufer verdienen 80 % der Provisionen.
- 20 % der Produkte machen 80 % des Umsatzes.
- 20 % der Marketing-Aktivitäten liefern 80 % der Ergebnisse.
Das Pareto Prinzip geht zurück auf den italienischen Ökonomen Vilfredo Pareto, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine verblüffende Beobachtung machte: Rund 20 % der Bevölkerung besaßen etwa 80 % des Bodens in Italien. Später griff der Qualitätsforscher Joseph Juran diese Idee auf und prägte den Begriff „Law of the vital few“: das Gesetz der entscheidenden wenigen. Seither gilt die 80/20 Regel als universelles Muster: Ein kleiner Teil der Ursachen erzeugt den größten Teil der Wirkung. Sei es in der Wirtschaft, in Organisationen oder im Marketing.
Und im Copywriting? Wie sieht es hier aus? Gibt es hier das Pareto Prinzip. Das gibt es.
Hier sind es aber eher die Worte in Headlines, Call-to-Actions oder Proof-Elemente, die darüber entscheiden, ob ein Text verkauft oder überlesen wird.
Das Wichtigste in Kürze:
- Nicht die Länge eines Textes entscheidet über seine Wirkung.
- Es sind die Worte.
- Und Sie brauchen nur 20 % der richtigen Worte, damit Ihr Text Wirkung zeigt.
- Denn das Pareto Prinzip aus dem Marketing gilt auch fürs Copywriting.
Warum die Pareto Regel aus dem Marketing auch für das Copywriting gilt
Im Marketing geht es beim Pareto Prinzip um Priorisierung: Statt Ressourcen auf alle Kanäle und Aktivitäten gleichmäßig zu verteilen, konzentrieren sich erfolgreiche Unternehmen auf die wenigen Punkte, die nachweislich den größten Impact liefern.
Im Copywriting gilt dieselbe Logik. Aber nicht bezogen auf Kanäle oder etwa Produkte, sondern auf Worte. Wodurch Texte ihre Wirkung erhalten. Gemeint sind vor allem:
- Headlines (Überschriften): Sie bestimmen, ob ein Text überhaupt gelesen wird. David Ogilvy brachte es schon in den 1980ern auf den Punkt: 80 Prozent sehen die Headline. Aber nur 20 % lesen den Fließtext darunter.
- Einstiegssätze (Leads): Sie halten die Aufmerksamkeit. Ist der Einstieg schwach, brechen Leserinnen und Leser sofort ab.
- Call-to-Actions (CTAs): Sie leiten die Handlung. Hier entscheidet sich, ob jemand klickt, testet oder kauft.
- Proof-Elemente: Kundenstimmen, Zahlen oder Zertifikate schaffen Glaubwürdigkeit.
- Betreffzeilen in E-Mails oder Newslettern: Sie beeinflussen die Öffnungsrate. Wenn sie nicht zünden, verpufft der gesamte Inhalt.
- CTA-Buttons steuern Conversions: Schon ein einziges Wort („kostenlos“ vs. „gratis“, „jetzt starten“ vs. „mehr erfahren“) beeinflusst die Klickrate deutlich. Laut Unbounce bringt das Ersetzen eines Text-Links durch einen echten Button bis zu 45 % mehr Klicks und Conversions. Und personalisierte CTAs erzielen laut HubSpot sogar +202 % Conversion im Vergleich zu generischen Varianten.
Beispiele für das Pareto Prinzip im Copywriting
- Headline-Beispiel: „Erfolgreich im Marketing“ (schwach) vs. „So steigern Sie Ihre Conversion-Rate in 7 Tagen“ (stark, nutzenorientiert).
- CTA-Beispiel: „Mehr erfahren“ (unverbindlich) vs. „Jetzt kostenlos testen“ (klar, handlungsorientiert, geringes Risiko).
- Proof-Beispiel: „Unsere Kunden sind zufrieden“ (vage) vs. „97 % Kundenzufriedenheit nach 12 Monaten“ (konkret, belegt).
Damit wird klar: Die 80/20 Regel ist nicht nur eine abstrakte Marketingregel. Sie ist auch ein handfester Leitfaden für das Schreiben selbst. Wer die 20 % identifiziert, die einen Text tragen, schreibt mit weniger Worten deutlich wirkungsvoller.
Wie Sie die richtigen 20 % der Worte in Ihren Texten finden und optimieren
Das Pareto Prinzip liefert die Theorie. Aber wie finden Sie in der Praxis die Worte in Ihrem Content, die wirklich zählen? Dazu gibt es zum Glück erprobte Methoden, mit denen Sie nicht nur die Wirkungstreiber in Ihren Texten aufspüren, sondern auch gezielt optimieren können.
1. Daten nutzen
Analysieren Sie, wo Ihre Texte messbar performen:
- Heatmaps und Scroll-Tracking zeigen, wie weit Menschen tatsächlich lesen.
- Klick-Analysen verraten, welche Buttons oder Links funktionieren und welche ignoriert werden.
- Newsletter-Statistiken liefern harte Zahlen zu Betreffzeilen und Öffnungsraten.
2. A/B-Tests durchführen
Die effektivste Methode ist der direkte Vergleich:
- Zwei Varianten einer Headline, eines CTA-Buttons oder einer Betreffzeile gegeneinander laufen lassen.
- Schon kleine Unterschiede („Jetzt kaufen“ vs. „Jetzt entdecken“) können signifikante Abweichungen in Klicks oder Conversions zeigen.
3. Ballast streichen
Texte verlieren Wirkung, wenn sie sich in Floskeln und Füllwörtern verlieren. Prüfen Sie kritisch:
- Ist jeder Satz notwendig?
- Könnte ich diesen Absatz kürzen, ohne den Kern zu verlieren?
- Kommt die Botschaft auf den Punkt?
4. Proof einbauen
Jede Behauptung braucht Belege (Proof). Das können Zahlen, Studien, Kundenstimmen oder Zertifikate sein. Ohne Proof bleibt Ihr Text eine bloße, unglaubwürdige Behauptung.
5. Markenstimme schärfen
Die entscheidenden Worte sind nicht nur funktional, sondern auch charaktervoll. Entwickeln Sie Ihre eigene Writer Persona: Welche Powerwörter stehen für Ihre Marke? Welche Tonalität unterscheidet Sie vom Wettbewerb?
Checkliste: So prüfen Sie die 20 % Ihrer Texte
Mit dieser Checkliste erkennen Sie sofort, ob Ihre Texte den Pareto-Test bestehen:
- Headline geprüft? Macht sie neugierig und verspricht sie einen klaren Nutzen?
- Einstieg scharf genug? Knüpft der erste Satz direkt an ein Bedürfnis an?
- CTA klar formuliert? Fordert er zu einer eindeutigen Handlung auf?
- Proof eingebaut? Unterstützen Zahlen, Stimmen oder Zertifikate Ihre Aussagen?
- Betreffzeile getestet? Steigert sie die Öffnungsrate nachweislich?
- Ballast gestrichen? Haben Sie Floskeln und Füllsätze eliminiert?
- Markenstimme spürbar? Sind Powerwörter und Tonalität so gewählt, dass man Ihre Handschrift erkennt?
Wenn Sie diese Punkte abhaken können, sind Ihre Texte nach dem Pareto-Prinzip optimiert: Wenige Worte tragen die Hauptlast. Und sorgen für die Wirkung, die Sie brauchen.
Pareto Prinzip im Copywriting: Wenige Worte tragen den Erfolg Ihrer Texte
Das Pareto Prinzip macht es deutlich: Texte wirken nicht durch Masse, sondern durch Fokus. 20 % der Worte entscheiden über 80 % der Ergebnisse.
Für Ihr Unternehmen heißt das:
- Investieren Sie Ihre Energie nicht gleichmäßig in jedes Detail.
- Arbeiten Sie stattdessen gezielt an den Passagen, die Ihre Leserschaft tatsächlich bewegen.
- Testen Sie Varianten, kürzen Sie Ballast, stärken Sie Proof und schärfen Sie Ihre Markenstimme.
Gerade heute ist das Pareto Prinzip für Unternehmen wichtiger denn je. Gerade dann, wenn sie ihre Texte von KI Tools schreiben lassen: schnell, billig, massenhaft. Heraus kommen aufgeblähte Beiträge, die sich in Wiederholungen verlieren, keinen Mehrwert bieten und austauschbar klingen.
Wer sich abheben will, muss den Spieß deswegen umdrehen: nicht mehr Masse produzieren, sondern die wenigen Worte identifizieren, die echte Wirkung entfalten. Headlines, CTAs und Proof-Elemente sind die Hebel, mit denen Sie aus der KI-Pampe herausstechen und sichtbar bleiben.
So schreiben Sie Texte, die nicht nur gelesen werden, sondern auch handeln lassen. In der Kürze liegt die Würze. Wenn es die richtigen Worte sind.

Als Senior Texterin und Senior Copywriterin schreibe ich SEO-optimierte Texte für Unternehmen verschiedener Branchen. Außerdem biete ich extra SEO Schulungen und Texter-Schulungen an (SEO Beratung). In meiner Freizeit schreibe ich natürlich auch, bevorzugt Kinderbücher. Und wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, genieße ich das Wandern in meiner Heimat, dem Bayerischen Wald.
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