Wie schreibt man ein Märchen?
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Märchen schreiben – Definition, 7 Merkmale und Aufbau einfach erklärt

„Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit in einem unbekannten Land…“ So oder so ähnlich beginnen sie, die Märchen. Und wer hat sie als Kind nicht geliebt? Schneewittchen, der Wolf und die sieben Geisslein und Rumpelstilzchen der Gebrüder Grimm. Oder die Schneekönigin von Hans Christian Andersen. Noch heute ist deren Magie ungebrochen. Deswegen wird fast jeder das ein oder andere Märchenbuch in seinen Regalen wiederfinden. 

Doch die Welt hat sich verändert. Viele klassische Märchen sind Jahrhunderte alt und spiegeln nicht mehr die Werte und Lebensrealitäten unserer heutigen Zeit wider. Themen wie Gleichberechtigung, moderne Familienstrukturen oder gesellschaftliche Vielfalt kommen in traditionellen Märchen meist nicht vor.

Warum also nicht vom reinen Märchen lesen zum Märchen schreiben wechseln? 

Erschaffen Sie Ihre eigene Märchenwelt mit verwunschenem See, Drachen, von Zauberern, einem Prinzen. Lassen Sie sich von der modernen Welt inspirieren und gestalten Sie eine Geschichte, die Tradition und Moderne miteinander verbindet.

Damit das funktioniert, verrate ich Ihnen heute die typischen Merkmale eines Märchens und deren Eigenschaften wie auch Aufbau für Ihre eigene fantasievolle Erzählung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Märchen sind Erzählungen mit fantastischen Elementen und zeitloser Symbolik.
  • Sie folgen einer klaren Struktur mit einem Helden oder einer Heldin, die Prüfungen bestehen müssen.
  • Wenn Sie ein klassisches Märchen schreiben sollten typische Merkmale wie magische Wesen, Gegensätze und eine moralische Botschaft darin vorkommen.
  • Es gibt verschiedene Arten von Märchen, darunter Volksmärchen, Kunstmärchen und Zaubermärchen.
  • Moderne Märchen unterscheiden sich durch ihren Bezug zur Realität.
  • Märchen werden in der Kinderliteratur, Pädagogik und Psychologie genutzt.
  • Märchen sind in einfacher Sprache geschrieben.
  • Ein typisches Märchen hat ein Happy End.

Was ist ein Märchen? Definition

Ein Märchen ist eine Erzählform, die ihren Ursprung in der mündlichen Überlieferung hat und durch Fantasieelemente sowie symbolische Inhalte geprägt ist. Es handelt sich um eine fiktionale Geschichte, die oft außerhalb einer klar definierten Zeit oder eines bestimmten Ortes spielt und universelle Themen wie Gut und Böse, Mut oder Gerechtigkeit behandelt. Märchen bedienen sich einer einfachen, klaren Sprache und folgen typischerweise einer klaren Struktur: Ein Held oder eine Heldin wird mit einer Aufgabe oder einem Problem konfrontiert, das im Verlauf der Geschichte gelöst wird.

Eigenschaften von Märchen

  • Zeit- und Ortlosigkeit: Märchen beginnen häufig mit Formulierungen wie „Es war einmal…“ und verzichten auf konkrete Ortsangaben, wodurch sie einen zeitlosen und universellen Charakter erhalten.
  • Fantasieelemente: Figuren wie Hexen, Zauberer, Feen oder sprechende Tiere sind zentrale Bestandteile von Märchen. Magie spielt oft eine Schlüsselrolle.
  • Symbolik: Märchen arbeiten mit klaren Gegensätzen, z. B. Gut gegen Böse, Arm gegen Reich oder Klugheit gegen Dummheit. Diese Symbolik macht die Geschichten leicht verständlich und einprägsam.
  • Gutes Ende und Moral: Viele Märchen vermitteln eine klare Botschaft oder Lehre, die das Verhalten oder die Werte der Zuhörer beeinflussen soll. Außerdem haben sie alle ein gutes Ende. Tapferkeit und Mut sowie das Gute werden belohnt. Das Böse wird besiegt.

Märchen schreiben: Anwendungsbereiche

  • Kinderliteratur: Märchen fördern Fantasie und Kreativität bei Kindern und helfen, Werte und moralische Grundsätze zu vermitteln.
  • Kulturelle Überlieferung: Märchen sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes und spiegeln oft die Weltanschauungen und Bräuche einer Gesellschaft wider.
  • Psychologie: In der therapeutischen Arbeit werden Märchen verwendet, um symbolische Themen wie Ängste oder Wünsche zu bearbeiten.
  • Pädagogik: Lehrer und Erzieher nutzen Märchen, um Kindern Geschichten mit einer verständlichen Botschaft näherzubringen.

Beispiele für bekannte Märchen:

  • Rotkäppchen
  • Hänsel und Gretel
  • Schneewittchen
  • Rapunzel
  • Rumpelstilzchen
  • Dornröschen

Arten von Märchen

Märchen werden in verschiedene Kategorien unterteilt, die sich durch ihre Herkunft, Inhalte und Erzählstruktur unterscheiden. Doch allesamt entführen die Leserinnen und Leser in eine magische Welt, in der Fantasie und symbolische Elemente dominieren.

Volksmärchen

Volksmärchen sind traditionelle Erzählungen, die mündlich überliefert wurden. Sie sind anonym entstanden und wurden erst später schriftlich festgehalten. Ein bekanntes Beispiel sind die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm (1812). Diese Geschichten sind geprägt von einfachen Strukturen und klaren Gegensätzen zwischen Gut und Böse. Sie enthalten oft magische Elemente (z. B. Tischlein deck dich) und spielen in einer unbestimmten Zeit und an unbekannten Orten. 

Kunstmärchen

Im Gegensatz zu Volksmärchen haben Kunstmärchen bekannte Autorinnen und Autoren. Sie wurden bewusst als literarische Werke geschaffen und zeichnen sich durch eine komplexere Sprache und tiefere Symbolik aus. Beispiele sind „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen oder „Der goldene Topf“ von E.T.A. Hoffmann. Kunstmärchen behandeln oft philosophische oder gesellschaftliche Themen und richten sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene. 

Tiermärchen

In Tiermärchen stehen Tiere im Mittelpunkt, die menschliche Eigenschaften besitzen. Sie können sprechen, denken und handeln wie Menschen. Solche Geschichten vermitteln häufig moralische Lehren und spiegeln menschliches Verhalten wider. Ein Beispiel ist „Der Hase und der Igel“. Oder der „Gestiefelte Kater“ der Gebrüder Grimm. 

Zaubermärchen

Zaubermärchen, auch Wundermärchen genannt, sind eine weitere Unterart der Märchen. Sie machen den Großteil des Genres aus. Darin kommen immer magische Elemente wie Zaubersprüche, verwunschene Gegenstände oder übernatürliche Wesen vor. Ein bekanntes Beispiel ist „Allerleirauh“ der Gebrüder Grimm. 

Schwankmärchen

Schwankmärchen sind humorvolle Erzählungen, die oft von listigen oder schelmischen Figuren handeln. Sie zielen darauf ab, das Publikum zu unterhalten, und enden meist mit einer unerwarteten Wendung. Ein Beispiel ist „Das tapfere Schneiderlein“ der Gebrüder Grimm. 

Kettenmärchen

Charakteristisch für Kettenmärchen sind repetitive Strukturen, bei denen Ereignisse oder Dialoge in einer bestimmten Reihenfolge wiederholt werden. Diese Wiederholungen erleichtern das Erinnern und Erzählen der Geschichte. Ein Beispiel ist „Der süße Brei“

Modernes Märchen

Ein modernes Märchen ist eine Erzählform, die klassische Märchenelemente mit zeitgenössischen Themen, Charakteren oder gesellschaftlichen Fragestellungen verbindet. Es bewahrt typische Märchenstrukturen wie eine klare Gut-gegen-Böse-Dynamik, magische Elemente oder eine lehrreiche Moral, integriert jedoch moderne Sprache, realistische Konflikte oder technologische Einflüsse.

Märchen schreiben: Merkmale

Märchen unterschieden sich deutlich von anderen Prosatexten. Am besten sind sie an ihren typischen Märchenmerkmale zu erkennen. Dazu gehören: 

Unbestimmte Zeit und unbestimmter Ort

Märchen spielen in einer magischen Welt, meist vor vielen Hundert Jahren. Generell ist die Zeit nicht genauer definiert. Auch der Ort ist in der Regel nicht genau bestimmt. Außer bei den Bremer Stadtmusikanten.

Erzählweise

Die meisten Märchen beginnen mit „Es war einmal …“ Genauso enden Sie mit „… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“

Außerdem sind die Geschichten in einfachen Sätzen geschrieben. Und in der Regel spielen Zahlen eine große Rolle. Etwa „die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen“ bei Schneewittchen. Oder das Märchen der 6 Schwäne.

Typische Figuren und Gegensätze

Die Charaktere in Märchen bekommen klare Rollen und Eigenschaften. Sie sind oft archetypisch dargestellt und verkörpern Gegensätze wie Gut und Böse, Arm und Reich oder fleißig und faul. Diese Einfachheit macht die Figuren leicht verständlich und unterscheidbar.

  • Beispiele:
    • Gut und Böse: In „Hänsel und Gretel“ sind die Kinder gut und unschuldig, während die Hexe böse und hinterlistig ist.
    • Auch beim Rotkäppchen sind Rotkäppchen und seine Großmutter dem Guten zuzuordnen. Der Wolf dagegen dem Bösen.
    • Fleißig und faul: In „Frau Holle“ wird das fleißige Mädchen mit Gold belohnt, während das faule Mädchen mit Pech übergossen wird. Am Ende ist von „Goldmarie“ und „Pechmarie“ die Rede.

Darüber hinaus begegnen den Leserinnen und Lesern immer wieder magische Wesen wie Hexen, Riesen, Feen oder sprechende Tiere.

  • Beispiel: In „Der Froschkönig“ spricht ein Frosch (eigentlich ein verwunschener Prinz) mit der Prinzessin und erfüllt ihr Wünsche.

Magische Elemente

Zu den typischen Merkmalen eines Märchens gehören auch magische Elemente. Entweder in Form eines Zauberspruchs, eines verzauberten Gegenstandes, oder als Zauberwesen. 

  • Beispiel: In „Dornröschen“ verflucht die böse Fee die Prinzessin zum Tod durch einen Stich einer Spindel an ihrem 15. Geburtstag. Dieser Fluch wird von einer guten Fee abgewandelt in einen hundertjährigen Schlaf – der nur durch den Kuss der wahren Liebe gebrochen werden kann.

Klare Handlungsstruktur

Die Handlung eines Märchens ist einfach und linear aufgebaut. Meistens gibt es ein Problem oder eine Aufgabe, die gelöst werden muss. Dabei durchläuft der Held oder die Heldin mehrere Prüfungen, erhält Hilfe von magischen Wesen oder Gegenständen und besiegt am Ende das Böse.

  • Beispiel: In „Aschenputtel“ muss die Heldin mehrere Prüfungen bestehen, wie die Arbeit im Haushalt der bösen Stiefmutter oder das Erscheinen beim Ball, bevor sie am Ende vom Prinzen gefunden wird.

Moralische Botschaft

Meist gibt es im Märchen eine Moral. Sie zeigen, dass positive Eigenschaften wie Mut, Fleiß oder Ehrlichkeit belohnt und negative Eigenschaften wie Faulheit oder Gier bestraft werden. 

  • Beispiel: In „Frau Holle“ zeigt die Moral, dass es sich lohnt, fleißig und hilfsbereit zu sein, während Faulheit und Egoismus bestraft werden.

Glückliches Ende

Mit der Moral enden fast alle Märchen auch immer mit einem Happy End. Dieser glückliche Schluss soll Mut machen und die Moral der Geschichte verstärken.

  • Beispiel: In „Hänsel und Gretel“ gelingt es den Kindern, die Hexe zu besiegen und mit Schätzen beladen zu ihrem Vater zurückzukehren.

Wie unterscheiden sich Märchen und Fabeln?

Beide literarische Gattungen unterscheiden sich deutlich in ihrem Stil und Inhalt. Und das, obwohl beide lehrreiche Geschichten erzählen.

Eigenschaften von Märchen

  • Märchen sind fiktionale Geschichten.
  • Sie enthalten übernatürliche Elemente wie Zaubersprüche, sprechende Tiere oder magische Wesen.
  • Die Figuren in Märchen sind oft archetypisch, wie Helden, Hexen oder Prinzessinnen.
  • Die Handlung folgt meist einem festen Schema, bei dem der Held Aufgaben meistern muss und am Ende belohnt wird.
  • Märchen spielen oft zu einer unbestimmten Zeit („Es war einmal …“) und an unbekannten Orten.
  • Sie haben eine klare Moral, die aber meist indirekt vermittelt wird.

Eigenschaften von Fabeln

Fabeln hingegen sind kurze Erzählungen, in denen Tiere, Pflanzen oder Gegenstände mit menschlichen Eigenschaften handeln. Sie sind allegorisch und sollen menschliche Verhaltensweisen kritisch darstellen. Die Moral wird in Fabeln direkt genannt und steht häufig am Anfang oder Ende der Geschichte („Die Moral von der Geschicht …“). 

Außerdem sind Fabeln kürzer und knapper gehalten in ihrem Erzählstil. Sie verzichten auf Magie oder übernatürliche Elemente und haben einen klar belehrenden Charakter.

Märchen schreiben – so funktioniert es

Märchen begeistern seit Jahrhunderten mit ihrer Magie, klaren Botschaften und zeitlosen Geschichten. Möchten Sie selbst eines verfassen, dann achten Sie beim Schreiben auf die typischen Merkmale von Märchen, wie auch auf: 

1. Ein klares Thema: 

Jedes Märchen hat ein zentrales Thema, das den roten Faden der Geschichte bildet. Ob Mut, Freundschaft, Liebe oder Gerechtigkeit – überlegen Sie sich vorab, welche Botschaft Ihre Geschichte vermitteln soll.

Beispiel: In „Frau Holle“ steht der Wert von Fleiß und Hilfsbereitschaft im Vordergrund, während Faulheit bestraft wird.

2. Entwickeln Sie eine spannende Hauptfigur

Die Hauptfigur ist der Mittelpunkt des Märchens. Sie sollte sympathisch sein, damit sich die Leserinnen und Leser mit ihr identifizieren können. Betonen Sie positive Charaktereigenschaften (schlau, nett, freundlich, hilfsbereit). Die Feinde dagegen, die Hexe oder böse Stiefmutter, sollten möglichst gegensätzliche Eigenschaften haben.

Beispiel: Aschenputtel wohnt bei ihrer bösen Stiefmutter und wird von den Schwestern unterdrückt. Aber sie bleibt immer freundlich und hilfsbereit, bevor sie am Ende ihr Glück findet.

3. Sorgen Sie für klare Gegensätze

Märchen leben von einfachen Gegensätzen, die die Handlung klar und verständlich machen. Diese Gegensätze können sich in Figuren oder Situationen zeigen: Gut und Böse, Arm und Reich, Fleiß und Faulheit.

Beispiel: In „Hänsel und Gretel“ stehen die hilflosen Kinder der bösen Hexe gegenüber, die sie gefangen nehmen möchte.

4. Nutzen Sie wundersame Elemente

Magie ist ein wichtiger Bestandteil eines Märchens. Zaubersprüche, magische Gegenstände und wundersame Elemente oder übernatürliche Wesen gehören unbedingt dazu.

Beispiel: Das Tischlein deck dich oder der Goldesel im Märchen „Tischlein deck dich.“

Aber auch die Zahlensymbolik ist in Märchen meist anzutreffen. Gerade die Zahlen Drei, Sieben und Sechs tauchen immer wieder auf. 

5. Beschreiben Sie eine märchenhafte Reise

Die Handlung eines Märchens ist oft eine Reise, auf der die Hauptfigur Prüfungen besteht und magische Orte entdeckt. Während dieser Reise lernt die Figur, mit Hindernissen umzugehen, Gefahren zu trotzen und kluge Entscheidungen zu treffen.

Tipp: Arbeiten Sie Hindernisse und schwierige Aufgaben ein, die die Hauptfigur überwinden muss, um ihr Ziel zu erreichen. So könnte sie beispielsweise mit einem Drachen kämpfen müssen, um einen besonderen Schatz zu bekommen.

6. Halten Sie die Sprache einfach und bildhaft

Märchen werden oft mündlich überliefert. Deshalb ist die Sprache klar, einfach und leicht verständlich. Verwenden Sie kurze Sätze und wiederkehrende Elemente wie Zahlen oder Zaubersprüche, um die Geschichte einprägsam zu machen. Außerdem wird das Märchen im Präteritum (Vergangenheit) geschrieben.

Beispiel: Es begab sich vor sehr langer Zeit, in einem weit entfernten Land.

7. Sorgen Sie für ein glückliches Ende und eine klare Moral

Märchen enden meist glücklich, die Guten werden belohnt, die Bösen bestraft. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Geschichte eine klare Moral vermittelt.

Beispiel: In „Frau Holle“ erhält das fleißige Mädchen Gold, während das faule Mädchen mit Pech übergossen wird. Die Moral: Fleiß zahlt sich aus.

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