Noch immer sorgt Ghostwriting in der Welt des Raps und Deutschraps für hitzige Diskussionen. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass viele gute Tracks nicht immer von den eigentlichen Künstlern selbst geschrieben werden. Zeit, einmal mehr auf die Zusammenarbeit berühmter Rapper mit Ghostwritern einzugehen.

Rapper und ihre geheimen Songwriter
Im Deutschrap, wie auch im internationalen Rap, ist es nicht ungewöhnlich, dass bekannte Rapper für ihre Kollegen schreiben. Ein klassisches Beispiel ist Jay Z, der die Lyrics für Dr. Dre’s „Still D.R.E.“ verfasste. Ebenso interessant ist, dass Nas hinter Will Smiths Hit „Gettin‘ Jiggy Wit It“ steckt. In der deutschen Szene hat Kollegah, bekannt für seine komplexen Reime, Texte für Farid Bang geschrieben. Damit zeigt sich eine Sache eindeutig: Selbst die größten Namen im Rap ließen sich beim Schreiben ihrer Songtexte helfen.
Texte, die nicht das sind, was sie scheinen
Der Deutschrap ist reich an vielseitigen Künstlern, die ihr Können nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen zeigen. Ein Paradebeispiel dafür ist Chima Ede. Ursprünglich als Conscious-Rapper mit seinen tiefgründigen und kritischen Texten gefeiert, hat er auch seine Fertigkeiten als Ghostwriter beim Schreiben von Raptexten offenbart. So hat er im Hintergrund mit Shirin David zusammen gearbeitet und bei deren Debütalbum „Supersize“ von Shirin David beim Songwriting geholfen. Insgesamt war Chima Ede an der Textgestaltung des gesamten Albums beteiligt.
Deutschrap und die Zusammenarbeit mit ihren Schattenautoren
Die Zusammenarbeit zwischen Rappern und Ghostwritern ist oft eine Win-Win-Situation. Der Rapper bekommt einen starken Text, während der Ghostwriter seine Kreativität ausleben kann. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Zusammenarbeit zwischen Nico Santos und Sido, bei der Santos beim Schreiben von Texten über Sidos Tattoos half.
Zahlreiche Beispiele belegen, dass immer mehr Raptexte aus fremden Federn stammen. Mittlerweile sprechen die heimlichen Schattenautoren auch mehr und mehr über ihre einst verpönte Tätigkeit. Wie etwa MoTrip, der offen über sein Schaffen als Ghostwriter in einem Interview spricht. Auch Ali As, Laas Unltd., Sentino und Eko Fresh gehören zu denen, die ihr Können als Dienstleistung ihren Kollegen anbieten.

Doch noch immer streiten viele Rapper den Austausch mit Gleichgesinnten ab. Die Folge sind oft schwere Vorwürfe. Das zeigt auch das Beispiel Kollegah. Immer wieder streitet er die Zusammenarbeit mit Ghostwritern ab. Inwieweit hier doch andere an den Beiträgen beteiligt waren, kann niemand mit Sicherheit belegen. Jedoch untersuchte die YouTuberin Alicia Joe Kollegahs Werk und stieß dabei auf Ungereimtheiten, die die Beauftragung eines Ghostwriters stark vermuten lassen. Alicia glaubt, dass eine Gruppe kreativer Köpfe Kollegah ab und zu mit der ein oder anderen getexteten Zeilen unterstützen.
Fabian Römer und seine Dienstleistung als Ghostwriter
Fabian Römer, vielen eher als F.R. bekannt, ist ein talentierter Rapper und Songwriter. Seit 2014 macht er sich verstärkt als Autor und Komponist für andere Künstler einen Namen. Zu seinen bemerkenswerten Beiträgen gehört die Mitwirkung an einem Großteil des Albums „Nador“ von Namika. Auch an Namikas Nummer-1-Hit „Lieblingsmensch“ (2015) war er beteiligt. Ebenso am Song „Kreise“ (2017) von Johannes Oerding, dessen gleichnamiges Album mit Gold ausgezeichnet wurde. Doch F.R. geht noch weiter. Er war an einigen Titeln des 2017 erschienenen Nummer-1-Albums „Helene Fischer“ von Helene Fischer beteiligt, das sich über eine Million Mal verkaufte und mit Fünffach-Platin ausgezeichnet wurde.
Rap und die Kunst des Ghostwriting
Trotz dieser Beispiele scheint das Ghostwriting im Rap immer noch verwerflich zu sein. Immer wieder dreht sich die Debatte um Authentizität und die Echtheit der Raptexte. Erst kürzlich wurde diese Diskussion durch den Fall Bushido intensiviert, dessen Texte möglicherweise auch von mehreren anderen Künstlern geschrieben wurden. Diese Enthüllungen unterstreichen, wie weit verbreitet Ghostwriting im Deutschrap tatsächlich schon ist.
Ghostwriting: Ein notwendiges Übel oder eine Bereicherung für den Rap?
Ghostwriting im Rap ist fast schon ein fester Bestandteil der Musikszene in Deutschland. Professionell ausgeführt, bietet es eine Fülle an Möglichkeiten, sowohl für die Ghostwriter als auch für die Künstler. So zeigt die Arbeit von Bushido mit verschiedenen Ghostwritern, dass solche Kollaborationen zur Entwicklung neuer Stile und Flows führen können, wodurch die musikalische Vielfalt und Qualität des Deutschrap durchaus bereichert wird.
Dennoch ist und bleibt das ein umstrittenes Thema. Noch immer ist Akzeptanz dieser Praxis im Rap gering. Hier stehen sich zwei Lager gegenüber. Die einen, die die Authentizität der Texte hinterfragen, und die anderen, für die die Qualität und der Erfolg der Musik letztendlich wichtiger sind als die Frage, ob ein Texter die Hook geschrieben hat oder nicht.
Bei all den Diskussionen darf aber eine Sache nicht vergessen werden: Ghostwriting im Rap bedeutet sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Es erlaubt kreative Kollaborationen, die zu neuen Beats führen können. Da der Rap, speziell aber die Songtexte für Authentizität stehen, ist die Frage natürlich berechtigt, ob diese nicht verloren geht, wenn fortan immer mehr Artists einen Songtext kaufen. Es bleibt spannend, wie sich das Thema weiter entwickelt.

Als Senior Texterin und Senior Copywriterin schreibe ich SEO-optimierte Texte für Unternehmen verschiedener Branchen. Außerdem biete ich extra SEO Schulungen und Texter-Schulungen an (SEO Beratung). In meiner Freizeit schreibe ich natürlich auch, bevorzugt Kinderbücher. Und wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, genieße ich das Wandern in meiner Heimat, dem Bayerischen Wald.